Call for Papers

Politische Akteure unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Werte und Ziele, ihres Menschenbildes, ihrer Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft, ihrer Interpretation von Geschichte und Gegenwart und ihrer Vorstellungen von geeigneten Mitteln zur Erreichung bestimmter politischer Ziele. Dies gilt sowohl für einzelne Bürger/-innen als auch für Politiker/-innen, politische Parteien, Medien, Gewerkschaften, Unternehmerverbände, Glaubensgemeinschaften und alle anderen politischen Akteure, die man sich vorstellen kann. Als politische Ideologien bezeichnet man (mehr oder weniger gut abgrenzbare) Gesamtheiten derartiger Vorstellungen, Meinungen und Theorien, denen Gruppen von Menschen aktiv anhängen oder anhand derer man verschiedene politische Akteure zumindest charakterisieren und verorten kann. Auch wenn Begriffe, die auf politische Ideologien verweisen, wie z.B. rechts, links, liberal, konservativ, Sozialismus, Feminismus, Faschismus im politischen Diskurs allgegenwärtig sind, stellt sich die Frage, ob und – falls ja – wo und in welcher Form politische Ideologien heutzutage für das Verhalten politischer Akteure überhaupt eine Rolle spielen.

Nach Jahren, die geprägt waren von der Idee eines post-ideologischen Zeitalters, begannen Psycholog/-innen im Laufe der 1990er Jahre verstärkt, sich für Persönlichkeitsunterschiede zwischen Konservativen und Liberalen in den Vereinigten Staaten zu interessieren. Im Jahr 2006 erschien ein Artikel mit dem programmatischen Titel „The End of the End of Ideology“ (Jost, 2006) und heutzutage stellt Forschung zu den Ursachen und Folgen politisch- ideologischer Orientierungen ein zentrales Forschungsfeld der Politischen Psychologie dar. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Frage nach der tatsächlichen Relevanz politischer Ideologien ihre Berechtigung verloren hat, insbesondere dann nicht, wenn man sie außerhalb der Vereinigten Staaten stellt. Und es bedeutet auch nicht, dass unter Forschenden Einigkeit darüber besteht, was verschiedene Ideologien im Kern ausmacht, wie man sie voneinander abgrenzen kann und über welche Mechanismen sie Einfluss auf Urteile und Verhalten nehmen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die Fachtagung Politische Psychologie des Jahres 2016 dem Thema Politische Ideologien und beleuchtet es aus interdisziplinärer Perspektive. Mögliche Themenfelder sind beispielsweise die ideologische Charakterisierung (bzw. Charakterisierbarkeit) politischer Parteien und Bewegungen, die psychologischen Grundlagen und Folgen ideologischer Orientierungen, die Ursachen und Folgen ideologischer Polarisierung von Gesellschaften, die theoretische Konzeptualisierung und Abgrenzung politischer Ideologien, die Bedeutung von Ideologien bei politischem und religiösem Extremismus bis hin zu Terrorismus oder der Umgang mit ideologischen Orientierungen bei psychologischer Arbeit in verschiedenen Lebensbereichen.

Wissenschaftler/-innen aus Psychologie, Politikwissenschaft, Soziologie und angrenzenden Disziplinen sind herzlich eingeladen, Beiträge zum Thema Politische Ideologien einzureichen. Darüber hinaus sind Beiträge von Psychologinnen und Psychologen, die aus Projekten im Rahmen ihrer beruflichen Praxis zum Thema berichten möchten, ebenfalls herzlich willkommen. Die Beiträge können entweder als Vortrag oder als Poster angemeldet werden. Es ist beabsichtigt, die Beiträge der peer-review-Zeitschrift „Politische Psychologie“ zur Veröffentlichung anzubieten. Neben Beiträgen zum Tagungsthema können Posterbeiträge aus dem gesamten Spektrum der Politischen Psychologie eingereicht werden.

 

(Stand: 1. Dezember 2015)